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begehbares technisches Denkmal "Carlswerk"

Neue Maschinenfabrik, Aufnahme 2002

Für das begehbare technische Denkmal "Carlswerk" kann nach Anmeldung in der Stadtinformation Harzgerode gemäß Entgeltordnung eine Führung gebucht werden.

 

Das Carlswerk liegt direkt am überregionalen Wanderweg Selketalstieg,

der Bahnhof Mägdesprung der Selketalbahn ist 5 Gehminuten entfernt.

 

Die Maschinenausstattung des Erdgeschosses befindet sich noch im Originalzustand des letzten Produktionstages. Mechanische Bearbeitungsmaschinen aus der ersten Hälfte des 20. Jhd. und ein Holzkran von 1890 veranschaulichen neben Spinden, Werkbänken und Urlaubskarten der Belegschaft die Arbeitskultur eines Zeitabschnittes in authentischer Atmosphäre.

Besucher an der Werkbank
 

Ein Sägegatter, welches um 1920 in dieser Maschinenfabrik gefertigt wurde und bis 1998 in Stiege arbeitete, konnte im Jahr 2010 vor dem Verschrotten gerettet werden.

Heute ist es als Anschauungsobjekt im Erdgeschoss aufgestellt

Dokumentationstafeln im Obergeschoss und die Ausstellung geben einen Überblick über die Entwicklung und die industriegeschichtliche Bedeutung des Standortes.

Eine Abteilung zeigt Beispiele zur Produktion von Öfen und Gasgeräten.

Der letzte Produktionsabschnitt wurde vom Gas- und Heizgerätebau dominiert.

Beispiel aus der OfenfertigungDetail Ofenbein

Dazu kommen Modelle der Sachzeugen aus Eisenguss in einer weiteren Abteilung.

Modelle

Der Ortsteil Mägdesprung wurde geprägt durch die Anlage der bereits 1646 von Fürst Friedrich von Anhalt-Bernburg-Harzgerode gegründeten „Eisenhütte unterm Mägdesprung ".
Die Sachzeugen im Ort und der nahen Umgebung belegen die Eisenguss- und Kunstgussfertigung sowie die Metallbearbeitung im 19. Jhd.:

der Obelisk

die Kunstgussplastiken,
das Gedenkkreuz auf der Mägdetrappe,
die Verlobungsurne auf dem Habichtstein,
der Luisentempel,
das Portal des Alexius-Erbstollens,
und das Carlswerk.

Baugeschichte

Die "Neue Maschinenfabrik" im  Carlswerk dominiert als Einzelbauwerk den Mägdesprunger Straßeneingang zum Selketal. Die dreigeschossige Werkhalle des ehemaligen Mägdesprunger Eisenhüttenwerkes ist gleichzeitig Zeugnis von Industriekultur und repräsentativer Industriearchitektur.

Das Mägdesprunger Eisenhüttenwerk, eines der ältesten Eisenwerke des Harzes, war 1829 durch eine Maschinenfabrik erweitert worden. Bereits 1827 hatte Carl Friedrich Zincken im seinerzeit herzoglich-anhaltischen Eisenwerk das Carlswerk aufgebaut.
1865 war die Werkhalle zur Herstellung von Sondermaschinen der Metallverarbeitung, der Holzverarbeitung mit dem Schwerpunkt „Sägegatterbau“ neben dem seit 1827 existierenden älteren Industriebereich des Carlswerkes errichtet worden.

Die am Werk vorbei fließende Selke lieferte kanalisiert über einen Flutgraben und darin installierten Wasserrädern die Antriebsenergie für die Bearbeitungsmaschinen des Werkes, bevor im 20. Jhd. die Elektroenergie Einzug hielt.

Bis zur politischen Wende von 1989 war das Carlswerk ununterbrochen Maschinenbaubetrieb und Reparaturabteilung des Mägdesprunger Eisenhüttenwerkes.

Mit Einführung der Marktwirtschaft begann der Niedergang des Werkes, welches 2010 jede Tätigkeit einstellte.

Nach umfänglicher Restaurierung mit Hilfe von Landesmitteln wird das begehbare technische Denkmal von der Stadt Harzgerode seit 2002 betrieben.

 

Architektur
Die auf uns gekommene „Werkshalle Carlswerk“ ist ein Einzeldenkmal, welches mit den seinerzeit neuentwickelten Möglichkeiten des Bauwesens ( Aufleben der Ziegelwölbetechnik, Einsatz von Glas und Gusseisen) den Aufbruch in ein neues Zeitalter der Industriearchitektur bezeugt. Ständerrhytmus in Form säulenartiger Vorsprünge gliedert die Werkhallenaussenwände vertikal. Während Türmchen die Wandständer bekrönen, gliedern Konsolgesimse die Hallenfassade streng horizontal. Das nur hofseitig sichtbare und als Hochgeschoss ausgebildete Kellergeschoss ist in der ortstypischen Plattenschieferbauweise aufgeführt. Der Schieferabschluß trennt ebenfalls streng das beginnende Ziegelmauerwerk der Erdgeschosshalle, deren repräsentatives Eingangsportal von der Strassenseite mit dieser höhengleich betreten wird.

Die Ziegelbau-Schaufassade umfasst das Erdgeschoss und das Obergeschoss der Werkhalle. Eingangstür und Fenster sind als Rückgriff auf die Palastarchitektur der italienischen Renaissance ausgeführt. Kerbschnitt-Ziegelornamentik unter den Fenstern bildet die Horizontale der plastisch durchgebildeten Werkhallenfassade und deutet die innen liegende Holzdecke des Hallenobergeschosses an. Die Attika schließt als plastisch gestalteter Mauerstreifen die Fassade über dem schwach geneigten Horizontaldach das Gebäude wiederum streng horizontal ab. Ein Konsolgesims im Form schmückender Zahnschnittornamentik deutet von außen den hinter der Attika liegenden Dachabschluß an, ein Rückgriff auf die englische Tudorgotik.

Das Innere der Werkhalle besitzt tragendes Holzbauwerk.

 

Textquelle über die Architektur Manfred Mittelstedt 2001

 

 

 

 

 

Telefon (039484) 7476703

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